Christina von Braun - Bibliografie

Maler
Cover von Versuch über den Schwindel

Christina von Braun,
Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht

Pendo, Zürich/München 2001, 671 Seiten m. zahlreichen Abbildungen

Pressetext

Der Begriff des Schwindels erzählt eine seltsame Geschichte: die ‚wahre Geschichte’ von der Macht der Täuschung. Dank der Simulationstechniken, die das Abendland hervorgebracht hat und die ihrerseits das Abendland hervorgebracht haben, bewegt sich die christliche und säkular-christliche Geschichte in konzentrischen Kreisen: Mit jeder neuen medialen Technik – vom phonetischen Alphabet, das dem Leib die Zunge entreißt, bis zu den christlichen Ikonen, die vom Fleisch gewordenen Wort zeugen; von den Münzen, hinter deren Zeichen die Ware verschwindet, bis zum gelben Fleck, der den Körper des Juden bezeichnet; von dem konstruierten Raum der Zentralperspektive bis zu den modernen, das Ich umfließenden visuellen und akustischen Speichersystemen – entsteht ein immer neuer und erneuerter imaginärer Raum, in dessen Bann der westliche Mensch gezogen wird. Er schwindelt und ihm schwindelt zugleich. Mochte dieser imaginäre Raum zunächst noch Schwindelzustände verursachen, so wich die Angst allmählich einer Lust am Schwindel: einer Sucht nach immer neuen, immer besseren Simulationen, nach einem technisch beherrschbaren Zustand der Entrückung. Von dieser Versuchung des Schwindels erzählt der vorliegende ‚Versuch über den Schwindel’. Mit dem Baum der ‚Erkenntnis’, von dem der Fürst der Welt Eva und Adam essen hieß, begann die Vertreibung aus dem Paradies – das westliche Abendland macht aus der ‚Erkenntnis’ ein Mittel der Rückkehr.

Das Buch verfolgt zwei historische Hauptstränge: die Geschlechterbilder einerseits und den Vergleich zwischen jüdischen und christlichen Denkwelten andererseits. An keinem anderen Beispiel läßt sich so deutlich die Wirkungs- und Wirklichkeitsmacht abendländischer Simulationstechniken aufzeigen wie an der Geschichte der Geschlechterbilder. Und kein anderer Vergleich zeigt so deutlich das Spezifische des christlichen und säkular-christlichen Denkens wie der Kontrast zu den jüdischen Denktraditionen. Beide historischen Stränge verfolgt das Buch zugleich – in ihrer Verschränkung und Verzweigung. Indem die Autorin zeigt, was das Alphabet mit der Beschneidung zu tun hat, christliche Bilderverehrung mit dem Dogma der Unauflösbarkeit der Ehe, die Kommunikationstechniken des 18. und 19. Jahrhunderts mit der ‚Krankheit Onanie’, Hostie und mystischer Leib Christi mit der modernen Genwissenschaft, eröffnet sie einen neuen Blick auf historische Zusammenhänge.

Kein Roman, kein Märchen, aber auch kein Bericht über die Wirklichkeit – sondern eine klug gewobene und mit vielen Details versehene Erzählung von der Wirklichkeitsmacht des Imaginären.

Aus dem Inhalt

(Text über „das Imaginäre und seine Wirklichkeitsmacht”)

Einleitender Text Teil 1
Einleitender Text Teil 2
Einleitender Text Teil 3
Einleitender Text Teil 4

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis Teil 1
Inhaltsverzeichnis Teil 2
Inhaltsverzeichnis Teil 3

Impressum - letzte Aktualisierung: 1.9.2008